Neufassung der DIN VDE 0100-420:2019-10

(01.Oktober 2019)

Ende 2019 ist die Neufassung der DIN VDE 0100-420 in Kraft getreten. Die aktualisierte Ausgabe empfiehlt besondere Maßnahmen zum Schutz vor Fehlerlichtbögen und fordert hierzu in der Planungsphase eine verbindliche Risiko- und Sicherheitsbewertung für bestimmte Gebäude und Bereiche. Liegen Risiken vor, sind geeignete Maßnahmen zu treffen wie:

  • Bauliche Maßnahmen:  (z.B. erd- und kurzschlusssichere Verlegung Einzeladern in Beton)
  • Organisatorische Maßnahmen: (z.B. Aufsichtspersonal im Museum)
  • Anlagentechnische Maßnahmen

Durch den Einsatz von Brandschutzschaltern als anlagentechnische Maßnahme werden besondere Risiken durch thermische Auswirkungen von Fehlerlichtbögen abgedeckt.

Wie wird die DIN VDE 0100-420 angewendet?

Der Geltungsbereich erstreckt sich auf

  • Neuanlagen
  • Bestandsanlagen die erweitert oder verändert werden

Altanlagen müssen nicht zwingend durch einen Brandschutzschalter angepasst werden. Es gilt für Anlagen, die zum Zeitpunkt der Veröffentlichung in Planung oder im Bau sind, eine Übergangsfrist bis zum 30. September 2021.

Werden Brandschutzschalter eingebaut, ist das Schutzziel nach DIN VDE 0100-420 Abschnitt 421.7 erfüllt und die geforderte Risiko- und Sicherheitsbewertung kann stark vereinfacht werden.  Zudem bietet die Anwendung der Norm rechtliche Sicherheit im Schadensfall.  Wird auf den Einsatz eines Brandschutzschalters oder vergleichbarer Maßnahmen verzichtet, ist demgegenüber eine ausführliche Bewertung notwendig und das Ergebnis schriftlich zu dokumentieren.

Leitfaden zur Risiko - und Sicherheitsbewertung

Anwendungsbeispiele, Praxishilfen und der Leitfaden zur Risiko- und Sicherheitsbewertung sowie weitere Dokumente stehen auch auf der Webseite des ZVEH (Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke) bereit.

Zum Leitfaden

AfDD Brandschutzschalter

Erfahren Sie wie ein Fehlerlichtbogen entsteht und wie ein AFDD Brandschutzschalter reagiert.

Zur Animation
 

Räumlichkeiten mit Schlafgelegenheit

 (ohne Berücksichtigung der Feuerwiderstandsklasse)

Räumlichkeiten sind nach allen Seiten abgeschlossene Raumgebilde, z.B. Schlafzimmer, Kinderzimmer, Gästezimmer, Hotelzimmer, etc.

Räume oder Orte mit besonderem Brandrisiko = Feuergefährdete Betriebsstätten*

Bauliche Anlagen, deren Nutzung durch Umgang oder Lagerung von Stoffen mit Explosions- oder erhöhter Brandgefahr verbunden ist. z.B. Scheunen, Papierfabriken, Druckereien, Schreinereien, etc.

Räume oder Orte aus Bauteilen mit brennbaren Baustoffen

wenn diese einen geringeren Feuerwiderstand als
feuerhemmend aufweisen (<F30)
 

Räume oder Orte mit Gefährdungen für unersetzbare Güter

 z.B. Museen, Galerien, Nationaldenkmäler

Was ist ein AfDD Brandschutzschalter?

Ein AfDD Brandschutzschalter (Arc Fault Detection Device = auch Fehlerlichtbogenschutzeinrichtung) überwacht
ständig eine Anzahl verschiedener elektrischer Parameter des von ihm geschützten Stromkreises. Er sammelt Informationen, die auf das Auftreten eines gefährlichen elektrischen Lichtbogens hindeuten.

Häufig treten harmlose Lichtbögen während des normalen Betriebs elektrischer Stromkreise auf, nämlich in Schaltern, Relais, Schützen und Motoren der verschiedenen an den Stromkreis angeschlossenen Lasten. Aber nur beim Erkennen eines gefährlichen Lichtbogens löst der Brandschutzschalter aus, um die fehlerhaften Abgänge vom Rest des Stromnetzes zu trennen.

  • Der AFDD Brandschutzschalter bietet Schutz vor vier verschieden Arten von elektrischen Fehlern: den seriellen Fehlerlichtbogen, dem parallelen Fehlerlichtbogen, dem Fehlerlichtbogen gegen Schutzleiter und der Gefahr der Überspannung bei der Unterbrechung eines Neutralleiters. Anders als Brandbekämpfungsanlagen (Löschanlagen, Feuerlöscher usw.), die erst nach dem Ausbruch eines Brandes wirken, soll das Auslösen des AFDDs den Brand noch vor der Entstehung verhindern.

  • Elektrische Lichtbögen sind das Ergebnis der Beschädigung eines Kabels oder eines fehlerhaften Anschlusses in einem elektrischen Stromkreis. Beispielsweise bewirkt ein fehlerhafter Anschluss an den Kontakten in einer Steckdose eine punktuelle Überhitzung, was zum Schwelbrand der Steckdose oder der Isolierung des Kabels führen kann. Dabei wird das isolierende Material in Kohlenstoff umgewandelt, der als Leiter wirkt und einen Teil des Stroms leitet, aus dem elektrische Lichtbögen entstehen. Diese Lichtbögen begünstigen eine weitere Verbrennung, wodurch mehr Kohlenstoff Produziert wird, der mehr Strom leitet, der wiederum mehr
    Lichtbögen entstehen lässt – ein Teufelskreis. Schließlich fangen die Kabelisolierung und die Steckdose an zu brennen. Der Brand kann sich dann schnell im Raum ausbreiten, indem er sich auf brennbare Materialien in der Umgebung weiter überträgt.

  • Anwendungsbeispiele, Praxishilfen und der Leitfaden zur Risiko- und Sicherheitsbewertung sowie weitere Dokumente stehen auf der Webseite des ZVEH bereit.

    Zum Leitfaden

  • Broschüre "Reduzierung der Brandgefahr: Einsatz von AFDDs" Download